{"id":7366,"date":"2016-04-13T22:28:45","date_gmt":"2016-04-13T20:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/ossibec.org\/?p=7366"},"modified":"2018-10-22T20:00:33","modified_gmt":"2018-10-22T18:00:33","slug":"kolumna-zivot-u-becu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ossaw.at\/de\/kolumna-zivot-u-becu\/","title":{"rendered":"Kolumne: Das Leben in Wien"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst Hut ab vor all denen, die den Mut zusammengenommen haben die gewohnte Umgebung, Familie, Freunde und das heimische Nest\u00a0 zu verlassen, um ins Ausland zu ziehen und dort ihr Wissen und ihren Horizont zu erweitern sowie neue Erfahrungen zu sammeln. Egal wie sch\u00f6n und abenteuerreich dies zu sein scheint, es ist \u00fcberhaupt nicht leicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich pers\u00f6nlich habe nicht lange gez\u00f6gert. Nachdem ich meinen Studienabschluss in der Tasche hatte, habe ich in 10 Tagen alles erledigt und vorbereitet, was n\u00f6tig war, um nach Wien zu kommen. Meine Familie und mir nahestehende Personen haben versucht mich zu \u00fcberreden nicht zu gehen, einen Job in Serbien zu finden und bei Ihnen zu bleiben, was ich aber nicht wollte. Von Wien habe ich schon in der Oberstufe getr\u00e4umt und ich wollte schon immer einen Tapetenwechsel, eine neue, fremde Kultur, Menschen und andere Sichtweisen kennenlernen, um auf diese Weise meine Pers\u00f6nlichkeit weiter auszubauen und meinen Horizont zu erweitern. In Wien habe ich mich gleich beim ersten Besuch verliebt, also tats\u00e4chlich Liebe auf den ersten Blick. Mich haben der Prunk dieser Stadt, die Sch\u00f6nheit, nicht nur der Hauptstra\u00dfen, sondern auch der kleinen G\u00e4sschen, bezaubert; jedes Detail hat sein eigenes Detail, alles gl\u00e4nzt und strahlt, jedenfalls sehe ich es so. Damals habe ich beschlossen, dass dies die Stadt sein wird, in der ich mein Gl\u00fcck finden werde. Und so war es \u2013 ich bin nach Wien gekommen. Wenn ich mich an den ersten Tag in Wien erinnere, bin ich m\u00e4chtig stolz auf mich. Ich habe es mit Hilfe des Handys und der Navigation geschafft von der Bushaltestelle zum Studentenheim ganz alleine zu kommen. Sobald ich meine Sachen abgelegt hatte, begab ich mich den ganzen Tag auf die Suche nach einer Bank, einer Versicherungsanstalt, der Uni und all den anderen Dingen. Ich war sowohl zu Fu\u00df unterwegs, als auch mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln. Mindestens drei Mal habe ich mich verlaufen und habe die ganze Zeit geweint. Ich kann mich daran erinnern, dass mich alle Kundenbetreuer komisch angesehen haben, da ich im Gesicht rot und leicht angeschwollen vom Weinen war. Heute blicke ich ganz anders zur\u00fcck, aber damals habe ich mich sehr einsam und traurig gef\u00fchlt. Mich lie\u00df der Gedanke nicht los, weshalb ich dies alles auf mich genommen habe mein Heimatland zu verlassen, wo ich rund um die Uhr 10 Personen an meiner Seite habe, auf die ich z\u00e4hlen kann, um nach Wien zu kommen, wo ich alleine bin und absolut niemanden habe. Und so war mein erster Tag. Gott sei Dank habe ich einige Leute, die ich von fr\u00fcher kannte, angerufen und mich mit ihnen verabredet. Zwei von ihnen haben zu dieser Zeit im gleichen Studentenheim wie ich gewohnt, sodass wir uns am selben Abend getroffen haben und sie mich mit ihren Freunden bekannt gemacht haben. Und so fing alles an. Jeden Abend habe ich neue Leute kennengelernt und so immer mehr Bekanntschaften geschlossen, sodass ich nach einem Monat sehr viele neue Gesichter kennengelernt habe und endlich begann die Zeit zu genie\u00dfen. Jetzt, nach 7 Monaten in Wien, meine ich mich mehr oder weniger gut eingew\u00f6hnt zu haben. Ich habe meine Freunde, mit denen ich es Liebe Zeit zu verbringen, ich habe meinen Job, ich erlerne die deutsche Sprache, was Gott sei Dank recht gut l\u00e4uft, ich genie\u00dfe es das facettenreiche Angebot Wiens auszukosten und ich kann sagen, dass ich es nicht bereue hierher gekommen zu sein. Ganz im Gegenteil, denn ich denke, dass es im damaligen Augenblick keine bessere Entscheidung h\u00e4tte geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wien hat mich gezwungen innerhalb weniger Monate erwachsen zu werden, zu lernen eigene Entscheidungen zu treffen, mich zu verteidigen und mich alleine durchzuk\u00e4mpfen, da ich niemanden habe, der hinter mir steht und mir den R\u00fccken freih\u00e4lt. Wien hat mir beigebracht, dass ich nur mich selber habe und dass ich, was das Wichtigste ist, k\u00e4mpfen und zielstrebig sein muss, um zu meinen Zielen zu gelangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wei\u00df ich, dass es Tage geben wird, an denen ich f\u00fcr nichts gut sein werde, an denen ich meine Familie sehen m\u00f6chte, an denen ich von Menschen umgeben sein m\u00f6chte, die mich lieben. Aber genauso wei\u00df ich, dass nach solch einem Tag ein neuer Tag folgt, ein besserer Tag, an dem ich wei\u00df, dass ich es aushalten kann, dass ich mich alleine vork\u00e4mpfen kann und dass ich meine Tr\u00e4ume erf\u00fcllen kann. Ich war bisher noch nie so zielstrebig, noch nie so strapazierf\u00e4hig, noch nie so widerstandsf\u00e4hig gegen\u00fcber Niederschl\u00e4gen, welche mir andere antun wollten, Verrat oder L\u00fcgen. Und ja, merkt euch sofort, niemand wird euch helfen oder besser gesagt, es wird euch nur ein kleiner Bruchteil an Menschen helfen. Deshalb rechnet nicht auf die Hilfe anderer, sondern nur auf eure eigene. Jemand wird vielleicht sagen, dass ich pessimistisch bin, aber ich bin dies nicht, denn ich schaue positiv auf das Leben und liebe Menschen, jedoch bin ich realistisch und m\u00f6chte meine Erfahrungen \u00fcbertragen. Die einzige Person, auf die ihr euch vollkommen verlassen k\u00f6nnt, seid ihr selber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun die andere Seite der ganzen Geschichte, die sch\u00f6nere Seite. Man, Leute, wenn ihr in Wien seid, ist das wie im Traum! Es gibt Millionen M\u00f6glichkeiten, Millionen Orte, die ihr euch anschauen k\u00f6nnt, und Millionen Dinge, die ihr ausprobieren k\u00f6nnt. Ich liebe dieses Gef\u00fchl morgens aufzuwachen und zu wissen, dass ich mich in einer der sch\u00f6nsten europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dte befinde, dass ich an diesem Tag eine unbekannte Richtung einschlagen kann und egal, wo ich hinkomme, werde ich auf etwas Sch\u00f6nes, Verstecktes oder Pr\u00e4chtiges und Prunkvolles sto\u00dfen. Ich wei\u00df nicht recht, ob es nur mir so geht, aber ich bin besessen von Wien, wie bereits erw\u00e4hnt, war es Liebe auf den ersten Blick, und jeder Tag hier ist f\u00fcr mich wie ein Geschenk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Puh, wie viele Leute ich hier kennengelernt habe und was ich alles mit ihnen erlebt habe! Diese 7 Monate in Wien sind f\u00fcr mich wie 5 Jahre in Serbien. Mein Leben ist viel turbulenter, der Tag vergeht im Nu, es passiert st\u00e4ndig was, ich entdecke unbekannte Orte, probiere verschiedene Dinge aus und mache neue Erfahrungen. Wien hat mich tats\u00e4chlich ver\u00e4ndert, ich bin st\u00e4rker, selbstst\u00e4ndiger und stabiler als fr\u00fcher. Die andere Seite der Medaille ist, dass die Verf\u00fchrungen hier viel gr\u00f6\u00dfer sind. Es gibt mehr Wohlstand, die Einkommen sind h\u00f6her und das Leben ist verr\u00fcckter. Man braucht viel Kraft, um all diesem zu widerstehen und nicht vom richtigen Weg, dem Weg zum Ziel und den Tr\u00e4umen, abzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie so oft im Leben liegt es an euch selbst, ob ihr nach Wien kommt, um hier zu leben, und wie ihr diese Chance ausn\u00fctzt. Es liegt an euch, ob ihr vergisst, weshalb ihr gekommen seid, und ob ihr den Versuchungen nicht widersteht oder ihr schl\u00e4gt den Weg zum Erfolg ein. Nichts im Leben ist schwarz oder wei\u00df, es ist immer irgendwo in der Mitte, denn es gibt sowohl gute als auch schlechte Seiten. Meiner Meinung nach hat das Leben in Wien viel mehr gute und positive Seiten als schlechte. Und ich bin gl\u00fccklich! Einmal hat meine Mutter zu mir gesagt, dass ich im Leben drei Dinge lieben muss, um gl\u00fccklich zu sein: die Person, mit der ich lebe, meinen Job und die Stadt, in der ich wohne. Ich habe in Wien zwei von diesen Drei aufgez\u00e4hlten Dingen gefunden und hoffe mit der Zeit auch das dritte Gl\u00fcck zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was uns allen am schwersten f\u00e4llt, ist, dass unsere Familien weit weg sind. Wenn mich das Heimweh packt, denke ich an die Worte, welche ich in einer Sendung geh\u00f6rt habe: Die, die wir lieben, sind immer in unseren Herzen und wenn wir ganz viel Gl\u00fcck haben, sind sie nur einen Flug von uns entfernt. Gott sei Dank habe ich dieses Gl\u00fcck und es trifft auf mich zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich k\u00e4mpfe weiter und baue mein Leben so gut ich kann auf. Ich gebe mein Bestes in der Hoffnung auf Eines, n\u00e4mlich dass ich am Ende meines Lebens stolz zur\u00fcckblicken kann mit dem Gedanken, dass ich alles Erdenkliche getan habe, um meine Tr\u00e4ume zu verwirklichen, und dass ich nicht ein \u00e4ngstliches K\u00fcken war, das in seinem Nest hocken geblieben ist, sondern eine tapfere K\u00e4mpferin bis zum Ende geblieben bin. Ich m\u00f6chte mit einem Zitat von Feldmarschall Mi\u0161i\u0107 zu Ende kommen, welches mich mein Leben lang begleitet: \u201eWer sich traut, der kann; wer keine Angst kennt, der geht weiter voran.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Mediensektor \u2013 OSSAW,<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Katarina Kova\u010devi\u0107<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\n<p style=\"text-align: right;\">\u00dcbersetzt von Tamara Nikoli\u0107<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zun\u00e4chst Hut ab vor all denen, die den Mut zusammengenommen haben die gewohnte Umgebung, Familie, Freunde und das heimische Nest\u00a0 zu verlassen, um ins Ausland zu ziehen und dort ihr Wissen und ihren Horizont zu erweitern sowie neue Erfahrungen zu sammeln. Egal wie sch\u00f6n und abenteuerreich dies zu sein scheint, es ist \u00fcberhaupt nicht leicht. 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